Spanien hat sich souverän ins Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gespielt. Der Europameister besiegte Österreich im Achtelfinale in einem einseitigen Spiel mit 3:0 (1:0) und untermauerte damit seine Ambitionen auf den Titelgewinn. Für Österreich und Teamchef Ralf Rangnick endete das Turnier dagegen enttäuschend.
Die Mannschaft von Trainer Luis de la Fuente dominierte die Partie von Beginn an und ließ dem Underdog aus Österreich kaum eine Chance. Mikel Oyarzabal brachte Spanien in der 36. Minute in Führung, nachdem er eine Vorlage von Marc Cucurella kaltblütig ins Tor verwertete. Pedro Porro erhöhte in der 66. Minute per Kopf auf 2:0, ehe Oyarzabal in der 89. Minute mit seinem zweiten Treffer den Endstand besiegelte. „Wir haben ein wundervolles Spiel gezeigt“, sagte de la Fuente nach der Partie. „Ich bin überglücklich.“
Neben dem klaren Sieg sorgte vor allem Torwart Unai Simon für einen historischen Moment. Der Schlussmann blieb im gesamten Turnier ohne Gegentreffer und stellte mit nun 519 Minuten ohne Gegentor einen neuen WM-Rekord auf. Die bisherige Bestmarke hatte Italiens Walter Zenga mit 517 Minuten gehalten. Simon musste letztmals bei der WM 2022 hinter sich greifen. „Es war ein kompliziertes Spiel und wir wussten, dass es schwierig sein würde“, sagte Matchwinner Oyarzabal mit übertriebener Bescheidenheit.
Österreich begann die Partie mutig und hatte durch Michael Gregoritsch die erste gute Chance. Eine Flanke von Borussia Dortmunds Marcel Sabitzer auf den Augsburger Stürmer geriet jedoch um einen Tick zu lang (17. Minute). Danach übernahmen die Spanier zunehmend die Kontrolle. Dani Olmo wurde nach einer sehenswerten Drehung erst im letzten Moment vom Ball getrennt (29.), aus der folgenden Ecke entstand das vermeintliche 1:0 für Spanien, das jedoch wegen einer Blockade an Torwart Alexander Schlager zurückgenommen wurde. Danach musste Schlager einen Schuss von Oyarzabal aus dem langen Eck kratzen (33.). Keine Minute später tauchte Lamine Yamal frei vor ihm auf, lupfte den Ball aber über den Kasten. David Alabas Distanzschuss war das einzige offensive Lebenszeichen Österreichs in der ersten Halbzeit.
Die Führung für Spanien fiel folgerichtig in der 36. Minute. Cucurella sorgte für den letzten Pass in den Rücken der österreichischen Viererkette und fand dort den starken Oyarzabal, der den Ball unbeeindruckt vom heranfliegenden Alaba flach und kalt ins Tor lenkte. Kurz vor der Pause knallte Alex Baena noch einen Freistoß an die Latte, Schlager war mit einer Hand am Ball. In der gleichen Szene kam Yamal dann völlig frei zum Abschluss, doch der starke Torwart von RB Salzburg verhinderte das zweite Gegentor erneut.
Rangnick reagierte in der Pause mit einem Doppelwechsel im defensiven Mittelfeld. Für Xaver Schlager und Nicolas Seiwald kamen Florian Grillitsch und Carney Chukwuemeka. Die schnellen Ballverluste blieben jedoch ein Problem für die Alpenrepublik. Spanien sah sich so gut wie keinen gefährlichen Gegenstößen ausgesetzt. Nach einer Stunde brachte Rangnick auch seine Offensive und wechselte Marko Arnautovic und Sasa Kalajdzic ein. Kalajdzic, der Torschütze zum 3:3 im letzten Gruppenspiel gegen Algerien, stand noch keine Minute auf dem Platz, als er für die beste Torchance Österreichs verantwortlich war. Sein Kopfball unter Bedrängnis ging aber über das Tor (61.) – die Rekordjagd von Simon hatte Bestand.
Das 2:0 sorgte für die Vorentscheidung. Erneut war Österreich dem spanischen Druck nicht gewachsen. Baenas Flanke köpfte Porro (66.) unmittelbar vor der zweiten Trinkpause aus sieben Metern in die Maschen. Auch danach behielt Spanien die Kontrolle und Österreichs Zeit bei der WM lief ab. Yamal hatte kurz vor Schluss das 3:0 auf dem Fuß (85.), doch sein Schuss aus der Drehung wurde auf der Linie von Alaba geklärt. Oyarzabal ließ sich die Chance zum Doppelpack nach einer erneuten Vorlage von Cucurella dann aber nicht entgehen.
„Man muss sagen, dass die einfach besser sind als wir. Der Sieg ist verdient für Spanien“, räumte Österreichs Bundesliga-Profi Marcel Sabitzer ein. Auch Teamchef Rangnick zeigte sich fair: „Insgesamt muss man anerkennen, dass wir auf einen herausragend guten Gegner getroffen sind.“ Er haderte jedoch mit der WM-Auslosung, die Österreich den Europameister schon in der ersten K.-o.-Runde bescherte. „Ich glaube, dass wir mit dieser Mannschaft gegen jeden anderen Gegner auf Augenhöhe die Chance auf das Weiterkommen gehabt hätten.“
Spanien trifft am 6. Juli in Dallas im Viertelfinale auf den Sieger der Partie zwischen Portugal und Kroatien. Das Team von Luis de la Fuente geht als einer der großen Favoriten in die nächste Runde und hat mit der Defensive um Rekordkeeper Simon eine starke Basis. Österreich reist dagegen nach einer insgesamt ordentlichen WM mit dem Gefühl ab, gegen einen übermächtigen Gegner ausgeschieden zu sein.
