Tommy Fleetwood träumt vor den 154. British Open im Royal Birkdale Golf Club von seinem ersten Major-Triumph. Der 35-jährige Engländer startet ab Donnerstag in seiner Heimatstadt Southport als einer der großen Favoriten und kann dabei auf die Unterstützung tausender Fans zählen. „Es ist natürlich etwas ganz Besonderes“, sagte der Weltranglisten-Neunte vor dem prestigeträchtigen Turnier 30 Kilometer nördlich von Liverpool. „Ich denke, jeder, der das Glück hatte, in Southport aufzuwachsen, weiß, dass es eine echte Golfstadt ist. Die Open Championship in Birkdale hat hier einen ganz besonderen Stellenwert.“
Fleetwood kennt die Tücken der Golfplätze rund um Southport wie kaum ein anderer Profi. In seiner Kindheit spielte er unzählige Runden auf den Plätzen an der englischen Nordwestküste mit ihren harten Fairways, tiefen Topfbunkern und hohen Gräsern mit dichten Ginsterbüschen am Rand der Spielbahnen. Diese Vertrautheit mit dem Terrain könnte sich als entscheidender Vorteil erweisen, wenn er gegen die absolute Weltspitze antritt. Zu seinen schärfsten Konkurrenten zählen Titelverteidiger Scottie Scheffler, die Nummer eins der Weltrangliste aus den USA, sowie Nordirlands Golf-Idol Rory McIlroy. Alle drei kämpfen um die ikonische Siegertrophäe, die Claret Jug, eine silberne Weinkaraffe.
Die englischen Fans drücken Fleetwood besonders die Daumen, denn seit Sir Nick Faldo im Jahr 1992 hat kein Engländer mehr die Open Championship gewonnen. Diese Durststrecke von über drei Jahrzehnten lastet schwer auf den Schultern der heimischen Spieler. Fleetwood, mit seinen markanten langen, braunen Haaren und seinem freundlichen, bescheidenen Auftreten, ist in der Golfwelt ein absoluter Sympathieträger – beliebt bei Fans und Konkurrenten gleichermaßen. „Jeder, der an der Open Championship teilnimmt, träumt vom Sieg und will ihn unbedingt erringen“, sagte er. „Da bin ich im Grunde nicht anders als alle anderen. Ich schätze mich einfach glücklich, die Unterstützung meiner Heimat zu haben und nutze sie als unglaublich positive Motivation.“
Sportlich hat Fleetwood bereits viel erreicht, auch wenn ihm der ganz große Wurf noch fehlt. Er feierte Turniersiege auf der DP World Tour und der PGA Tour, triumphierte mit dem europäischen Ryder-Cup-Team und gewann bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris die Silbermedaille. Besonders sein Auftritt beim Ryder Cup 2018, ebenfalls in Paris, ist unvergessen. Bei seinem Debüt bildete er gemeinsam mit Francesco Molinari eines der erfolgreichsten Duos der Ryder-Cup-Geschichte. Zusammen gewannen sie alle vier Team-Matches und erhielten von den Fans den Spitznamen „Moliwood“. Diese Erfahrung im Teamwettbewerb hat seinen Ruf als zuverlässigen und kämpferischen Spieler gefestigt.
Privat hat der globale Star seinen Lebensmittelpunkt längst von der englischen Nordwestküste nach Dubai verlegt. Gemeinsam mit seiner Frau Clare und den drei Kindern lebt er in dem Golfstaat, von dem aus er einfacher zu den Turnieren in alle Welt reisen kann. Im Jahr 2022 eröffnete er dort im Jumeirah Golf Estates die „Tommy Fleetwood Academy“, um sein Wissen an die junge Generation von Golfern weiterzugeben. An seine eigenen Anfänge erinnert er sich gerne – und auch an den Royal Birkdale Golf Club. Als Kind, gestand er, habe er sich mit seinen Freunden ein- oder zweimal auf den noblen Golfplatz geschlichen. Jenen Ort, an dem er jetzt den größten Triumph seiner Karriere feiern könnte.
Die British Open sind das älteste der vier Major-Turniere im Golfsport und werden seit 1860 ausgetragen. Royal Birkdale ist einer der prestigeträchtigsten Austragungsorte und hat die Open Championship bereits mehrfach ausgerichtet. Für Fleetwood wäre ein Sieg vor heimischem Publikum die Krönung einer Karriere, die von stetigem Aufstieg und großer Beliebtheit geprägt ist. Die Erwartungen sind hoch, doch der Lokalmatador geht die Herausforderung mit der ihm eigenen Gelassenheit an. Die Fans in Southport und ganz England hoffen, dass nach 33 Jahren endlich wieder ein Engländer die Claret Jug in die Höhe stemmen darf.
