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Ukrainische Drohnen treffen russische Raffinerie und Schiffe im Asowschen Meer

Bei ukrainischen Drohnenangriffen in der russischen Region Samara ist ein Mensch getötet worden, mehrere wurden verletzt. Die Raffinerie in Sysran brennt. Zudem attackierte die Ukraine 21 Öltanker im Asowschen Meer. In Kiew warnen Bürgermeister Klitschko und Präsident Selenskyj vor einer Eskalation der russischen Luftangriffe.

Ukrainische Drohnen treffen russische Raffinerie und Schiffe im Asowschen Meer
Ukraine-Krieg | Tödlicher Angriff: Ukraine trifft russische Raffinerie
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Die Ukraine hat ihre Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur fortgesetzt und dabei nach offiziellen Angaben eine Ölraffinerie in der Region Samara sowie zahlreiche Schiffe im Asowschen Meer getroffen. Bei dem Drohnenangriff auf die Raffinerie in Sysran kam ein Mensch ums Leben, drei weitere wurden verletzt, darunter ein Kind. Gouverneur Wjatscheslaw Fedorischtschew bestätigte die Schäden an Wohnhäusern und einem Industrieobjekt, ohne zunächst Details zu nennen. Das unabhängige Portal „Astra“ berichtete unter Berufung auf Bilder aus sozialen Netzwerken von mehreren großen Bränden auf dem Gelände der Anlage.

Der ukrainische Generalstab bestätigte die Attacke und erklärte, Explosionen und Brände seien auf dem Raffineriegelände festgestellt worden. Die Raffinerie in Sysran, die zum staatlichen russischen Ölkonzern Rosneft gehört und eine Verarbeitungskapazität von 8,5 Millionen Tonnen hat, produziert Benzin, Diesel und Kerosin. Sie war bereits mehrfach Ziel ukrainischer Angriffe; Ende Mai musste sie nach einem solchen Angriff vorübergehend den Betrieb einstellen. In Russland hat die Serie von Attacken auf Ölverarbeitungsanlagen inzwischen zu einem Treibstoffdefizit geführt, sodass Tankstellen nur noch begrenzte Mengen abgeben und Autofahrer lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen.

Neben der Raffinerie griff die Ukraine nach Angaben aus Kiew in der Nacht 21 russische Öltanker im Asowschen Meer an. Zudem wurden vier Schlepper, zwei Trockenfrachter und ein Schwimmbagger getroffen. Das Ausmaß der Schäden werde noch geprüft, teilte der Generalstab mit. Es handele sich um die zahlenmäßig größte Attacke einer seit Tagen laufenden Angriffswelle. Russische Behörden gaben zunächst geringere Schäden an: Gouverneur Juri Sljusar aus der Region Rostow berichtete von vier angegriffenen Schiffen und einem getöteten Matrosen. Ein Tanker mit hochentzündlichem Methanol sei getroffen worden, die Gefahr eines Austritts bestehe jedoch nicht.

Kiew verfolgt mit den Angriffen auf Schiffe und Hafenanlagen das Ziel, die Treibstoffversorgung der russischen Truppen im Süden und Osten der Ukraine zu unterbrechen und den lukrativen russischen Ölexport zu beeinträchtigen. Bereits in den vergangenen Tagen hatte die Ukraine wiederholt Schiffe auf dem Asowschen Meer sowie Umschlagkapazitäten an Land wie den Hafen in Taganrog attackiert. Die Brände in zwei Treibstofflagern in der Region Rostow, die durch ukrainische Drohnen am Freitag verursacht worden waren, sind nach Angaben von Gouverneur Sljusar inzwischen gelöscht.

Parallel zu den militärischen Aktionen wächst in der ukrainischen Hauptstadt Kiew die Sorge vor einer weiteren Eskalation der russischen Luftangriffe. Bürgermeister Vitali Klitschko sagte der Zeitung „Bild am Sonntag“, er habe seit Kriegsbeginn noch keine derart schweren Angriffe erlebt. Innerhalb einer Woche habe das russische Militär Kiew dreimal massiv aus der Luft angegriffen, unter anderem mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen. Dutzende Menschen seien getötet und mehr als 100 verletzt worden, zahlreiche Wohnhäuser seien beschädigt oder zerstört worden.

Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte derweil Konsequenzen für verantwortliche Manager an, nachdem ein russischer Raketenangriff auf ein Munitionslager in der Stadt Wyschnewe westlich von Kiew schwere Schäden verursacht hatte. Bei dem Angriff in der Nacht zum 6. Juli waren neun Menschen ums Leben gekommen, Dutzende wurden verletzt. Hunderte Anwohner mussten wegen der anhaltenden Explosionsgefahr evakuiert werden. Selenskyj kritisierte, dass die Depots entgegen den Sicherheitsvorschriften in Wohngebieten angelegt worden seien. Gegen die Leiter zweier Staatsbetriebe und weitere Manager werde ermittelt.

Die ukrainische Armee setzt ihre Angriffe auf russische Energieziele fort, um die militärischen Nachschubwege zu stören. Die Raffinerie in Sysran ist ein strategisch wichtiges Ziel, da sie Treibstoff für die russischen Streitkräfte liefert. Die anhaltenden Attacken haben in Russland bereits zu Engpässen an Tankstellen geführt. Die Lage in der Region Samara bleibt angespannt, während die ukrainischen Streitkräfte ihre Drohnenoperationen im Asowschen Meer ausweiten.

Autor

Politischer Korrespondent

Christoph Reichert berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.