Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wird nicht nur durch ein neues Turnierformat mit 48 Mannschaften geprägt sein, sondern auch durch eine Reihe von Regeländerungen, die das International Football Association Board (Ifab) beschlossen hat. Die Regelhüter des Weltfußballs wollen damit vor allem dem Zeitspiel den Kampf ansagen und die Rolle des Videoschiedsrichters (VAR) erweitern. Die neuen Bestimmungen treten bereits im Sommer in Kraft und gelten für den gesamten organisierten Fußball, wobei nationale Verbände bei einigen Punkten Anpassungen vornehmen können.
Eine der zentralen Neuerungen betrifft die Torhüter. Die bereits bekannte Acht-Sekunden-Regel, die Torhüter dazu verpflichtet, den Ball innerhalb von acht Sekunden abzuschlagen, wird auf Abstöße und Einwürfe ausgeweitet. Wenn der Schiedsrichter den Eindruck hat, dass ein Spieler das Spiel verzögert, leitet er einen sichtbaren Fünf-Sekunden-Countdown ein. Überschreitet ein Torhüter diese Frist bei einem Abstoß, wird dies mit einer gegnerischen Ecke bestraft. Ein verzögerter Einwurf führt hingegen dazu, dass der Gegner den Einwurf ausführen darf. Diese Maßnahmen sollen die Netto-Spielzeit erhöhen, die in der Bundesliga im Durchschnitt nur bei etwa 60 von 90 Minuten liegt.
Ein weiteres Instrument gegen Zeitverschwendung ist die neue Regel für Auswechslungen. Spieler, die ausgewechselt werden, müssen das Spielfeld innerhalb von zehn Sekunden verlassen. Sollte dies länger dauern, muss der einzuwechselnde Spieler bis zur nächsten Spielunterbrechung warten, bevor er am Spiel teilnehmen darf. Zudem wird das Vortäuschen oder Dramatisieren von Verletzungen künftig härter bestraft. Ein Spieler, der auf dem Feld behandelt werden muss oder dessen Verletzung zu einer Spielunterbrechung führt, darf erst eine Minute nach Abschluss der Behandlung wieder auf den Platz zurückkehren. Eine wichtige Ausnahme gilt jedoch: Wenn das Foul, das zur Verletzung geführt hat, mit einer Gelben oder Roten Karte geahndet wird, darf der verletzte Spieler sofort weitermachen. Dadurch soll verhindert werden, dass Mannschaften Verletzungen des Gegners bewusst in Kauf nehmen, um ihn zahlenmäßig zu schwächen.
Der VAR erhält ebenfalls erweiterte Befugnisse. Künftig kann der Videoschiedsrichter auch überprüfen, ob ein Eckball korrekt entschieden wurde, wenn aus dieser Standardsituation ein Tor resultiert. Bislang beschränkte sich die Überprüfung auf das Tor selbst. Darüber hinaus darf der VAR künftig zweite Gelbe Karten eines Spielers überprüfen, also jene, die zu einem Platzverweis führen. Erste Gelbe Karten werden nur dann vom VAR kontrolliert, wenn offensichtlich der falsche Spieler oder das falsche Team bestraft wurde. Regelverstöße, die zu einer Gelb-Roten Karte führen würden, aber vom Schiedsrichter nicht erkannt wurden, werden weiterhin nicht nachträglich korrigiert.
Das Ifab hat zudem beschlossen, dass Spieler, die in einer Konfrontation etwas hinter vorgehaltener Hand sagen, mit der Roten Karte bestraft werden können. Damit soll verhindert werden, dass Spieler ihre Gegner beleidigen, ohne dass dies später nachgewiesen werden kann. Eine Rote Karte droht auch Spielern oder Offiziellen, die aus Protest gegen den Schiedsrichter den Platz verlassen oder ihre Mannschaft dazu auffordern.
Neben den Ifab-Regeln führt die FIFA bei der WM 2026 eine weitere Neuerung ein: In jeder Halbzeit wird es nach etwa 22 Minuten Spielzeit eine dreiminütige Trinkpause geben. Offiziell begründet der Weltverband dies mit dem Schutz der Spieler. Allerdings werden die Pausen unabhängig von den Wetterbedingungen stattfinden, also auch bei Regen oder kühlen Temperaturen. Die FIFA argumentiert, dass so für alle Teams die gleichen zeitlichen Belastungen herrschen. Kritiker werfen dem Verband jedoch vor, dass die Pausen vor allem dazu dienen, zusätzliche Werbezeiten zu schaffen. Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF, die zu den Übertragungsrechteinhabern in Deutschland gehören, haben bereits angekündigt, die Pausen für Werbeunterbrechungen zu nutzen.
Die Regeländerungen stoßen in der Fußballwelt auf gemischte Reaktionen. Während die Maßnahmen gegen Zeitspiel von vielen Trainern und Spielern begrüßt werden, gibt es Bedenken hinsichtlich der Umsetzung und der möglichen Auswirkungen auf den Spielfluss. Insbesondere die festen Trinkpausen sorgen für Diskussionen, da sie den Rhythmus der Partien unterbrechen und den Mannschaften taktische Vorteile bieten könnten. Die FIFA und das Ifab betonen jedoch, dass die Neuerungen dazu beitragen sollen, das Spiel fairer, flüssiger und attraktiver zu gestalten.
