Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wird von einem beispiellosen Eklat überschattet: US-Präsident Donald Trump soll sich persönlich bei FIFA-Präsident Gianni Infantino für die Aufhebung der Roten Karte gegen den US-Stürmer Folarin Balogun eingesetzt haben. Der 25-Jährige war im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina nach einer harten, aber vermeintlich unabsichtlichen Aktion vom Platz gestellt worden. Die FIFA setzte die Sperre nun überraschend aus, sodass Balogun im Achtelfinale gegen Belgien am Dienstag auflaufen darf. Trump bedankte sich umgehend auf seiner Plattform Truth Social bei der FIFA und sprach von einer wiedergutgemachten „großen Ungerechtigkeit“.
Der belgische Fußballverband reagierte mit scharfer Kritik und „Erstaunen“ auf den Vorgang. In einer Stellungnahme hieß es, man prüfe alle rechtlichen Optionen, um die „Grundprinzipien des Fair Play“ zu schützen. Die FIFA selbst begründete die Entscheidung mit Artikel 27 ihres Disziplinarreglements, der eine Aussetzung von Strafen zur Bewährung vorsieht. Baloguns Sperre wurde demnach für ein Jahr ausgesetzt. Sollte der Angreifer in dieser Zeit einen weiteren Verstoß gleicher Art und Schwere begehen, würde die ursprüngliche Strafe vollstreckt. Sollte er sich bei der WM nichts mehr zuschulden kommen lassen, würde die Sanktion zu einem späteren, weniger bedeutenden Zeitpunkt nachgeholt.
Die Aufhebung einer Roten Karte während eines laufenden Turniers ist ein Novum in der WM-Geschichte. US-Trainer Mauricio Pochettino hatte die Rote Karte als „niemals Absicht“ bezeichnet und die Entscheidung des brasilianischen Schiedsrichters Raphael Claus kritisiert. Balogun ist neben Christian Pulisic der wichtigste Offensivspieler der USA. Mit seiner Einsatzmöglichkeit kann Pochettino im Achtelfinale im Lumen Field in Seattle auf die beste Offensive setzen. Belgien hingegen muss ohne gesperrte oder verletzte Spieler auskommen, zeigte sich aber vor allem über die Art und Weise der Entscheidung verärgert.
Die Berichte über einen direkten Anruf Trumps bei Infantino wurden von mehreren Medien übereinstimmend gemeldet. Der US-Präsident, der bislang bei keinem WM-Spiel vor Ort war, wird spätestens zum Endspiel am 19. Juli in East Rutherford im Stadion erwartet. Die FIFA selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen einer politischen Einflussnahme. Der Vorgang wirft jedoch ein Schlaglicht auf das Verhältnis zwischen dem US-Präsidenten und dem Weltfußballverband, das in den vergangenen Jahren durch die gemeinsame Ausrichtung der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko enger geworden ist.
Balogun selbst hatte nach dem Platzverweis gegen Bosnien-Herzegowina öffentlich Bedauern gezeigt, aber auf die fehlende Absicht verwiesen. Die Szene, in der er seinen Gegenspieler Tarik Muharemovic im Zweikampf traf, war von vielen Experten als grenzwertig, aber nicht als böswillig eingestuft worden. Die Entscheidung des Schiedsrichters, nach Videobeweis auf Rot zu entscheiden, hatte bereits im Vorfeld für Diskussionen gesorgt. Nun steht die Partie zwischen den USA und Belgien unter besonderer Beobachtung – nicht nur sportlich, sondern auch wegen der politischen Implikationen.
Der belgische Verband kündigte an, alle Optionen zu prüfen, um die „legitimen Rechte aller teilnehmenden Mannschaften“ zu wahren. Ob Belgien rechtliche Schritte gegen die FIFA-Entscheidung einleiten wird, blieb zunächst offen. Klar ist jedoch, dass der Fall Balogun die WM 2026 nachhaltig prägen könnte. Die Diskussion um die Unabhängigkeit des Weltverbands und die Rolle politischer Einflussnahme wird damit neu entfacht. Für die USA geht es im Achtelfinale gegen Belgien um den Einzug ins Viertelfinale – und um die sportliche Rechtfertigung einer Entscheidung, die weit über das Spielfeld hinausreicht.
