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Audi-Belegschaft legt in Ingolstadt die Arbeit nieder und kritisiert Vorstand

Bei einem nächtlichen Warnstreik in Ingolstadt fordern rund 3.000 Beschäftigte höhere Löhne und protestieren gegen geplante Einsparungen. Die IG Metall attackiert Audi-Chef Gernot Döllner scharf.

Bei einem nächtlichen Warnstreik in Ingolstadt haben nach Angaben der IG Metall rund 3.000 Beschäftigte von Audi höhere Löhne gefordert und gegen geplante Einsparungen protestiert. Die Kundgebung war nach Gewerkschaftsangaben die bislang größte Aktion der aktuellen Warnstreikwelle in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Betroffen war vor allem die Nachtschicht im Ingolstädter Stammwerk.

Besonders scharf fiel die Kritik am Vorstand aus. Landesbezirksleiter Horst Ott warf Audi-Chef Gernot Döllner vor, bei einem Wahlkampftermin des US-Präsidenten Donald Trump aufgetreten zu sein. „Auf diese Art Audi zu vertreten, ist armselig“, sagte Ott nach Angaben eines Sprechers. Den Zeitpunkt bezeichnete er als instinktlos und respektlos gegenüber den Menschen an den deutschen Standorten. Ott begrüßte grundsätzlich, dass Audi in den USA produzieren will. Das Unternehmen besitzt dort bislang kein eigenes Werk, anders als die Konkurrenten BMW und Mercedes. Döllner hatte den Bau eines neuen Werks in den USA angekündigt. „Dass Audi in den USA produzieren will, halte ich für richtig“, sagte Ott. „Was falsch ist, ist der Zeitpunkt.“ Abschließend erklärte er: „Eine solche Art von Führung habt Ihr nicht verdient.“

Audi steht wirtschaftlich unter Druck und will Kosten senken. In Deutschland beruft sich der Vorstand auf die sogenannte Schlechtwetterklausel. Sie sieht Verhandlungen mit dem Betriebsrat über Sparmaßnahmen vor, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stark verschlechtern. Im Mittelpunkt steht vor allem die mögliche Schließung des Werks in Neckarsulm. Für denselben Tag hatte die IG Metall die Belegschaften in 41 Betrieben zu vorübergehenden Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Größere Kundgebungen waren zudem in Augsburg, Passau und Aschaffenburg geplant.

Die IG Metall Vertrauenskörperleiterin bei Audi, Karola Frank, forderte eine „belastbare Zukunftsperspektive“ für die beiden deutschen Werke in Ingolstadt und Neckarsulm. Sie hielt dem Vorstand sinkende Absatzzahlen vor und sagte: „Die Führungsetage zieht die Schlechtwetterklausel, weil sie es nicht schaffen, unsere Autos zu vermarkten und zu verkaufen.“

In der laufenden Tarifrunde liegen die Positionen weit auseinander. Die Arbeitgeber hatten vergangene Woche ein Angebot unter der Inflationsrate vorgelegt, das nach Gewerkschaftsdarstellung einen Reallohnverzicht bedeuten würde. Vorgesehen sind ein zweijähriger Tarifvertrag, eine Einmalzahlung von einem Prozent des Bruttojahresgehalts im Sommer 2027 und eine Tariferhöhung um 1,3 Prozent im Sommer 2028. Frank kritisierte dies deutlich: „Unsere Rechnungen kommen jeden Monat, nicht erst im Sommer 2028.“ Die IG Metall fordert dagegen fünf Prozent höhere Entgelte und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 110 Euro bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.

Der Konflikt zeigt, wie stark die Frage nach Standorten, Lohnentwicklung und Führungsstil die Beschäftigten derzeit bewegt. Die Gewerkschaft kündigte weitere Aktionen an, sodass die Warnstreikwelle in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie vorerst fortgesetzt wird. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über die Sparmaßnahmen und die Tarifrunde stehen noch aus.

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Dominik Zimmermann

Autor

Wirtschaftsanalyst

Dominik Zimmermann berichtet für Grenzah über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.

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