Biontech-Betriebsrat wirft Vorstand Diskriminierung und Stillstand vor
In einem offenen Brief kritisiert der Betriebsrat von Biontech den Umgang mit Mitarbeitenden während der laufenden Umstrukturierung. Das Unternehmen weist auf einen Quartalsgewinn hin und sucht den Dialog mit der Arbeitnehmervertretung.
Der Betriebsrat des Mainzer Biotech-Unternehmens Biontech hat den Vorstand in einem offenen Brief scharf kritisiert. Er bemängelt den Umgang mit Beschäftigten und das Verhalten der Unternehmensführung in der laufenden Transformation. Das Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, nennt konkrete Meldungen zu Sexismus, Rassismus, Diskriminierung und Drohungen. Zuerst hatte das „Handelsblatt“ über den Brief berichtet.
Im Brief heißt es, Mitarbeitende seien wegen Umstrukturierungen und der angekündigten Schließung von Standorten verunsichert und fühlten sich belastet. Beschäftigte hätten dem Betriebsrat von Zukunfts- und Arbeitsplatzängsten berichtet und sich mit ihren Sorgen allein gelassen gefühlt. In einzelnen Bereichen nähmen Beschäftigte einen Stillstand bei Entscheidungen wahr. Ferner ist von „toxischen Arbeitsplatzsituationen“ die Rede. Der Vorstand wird aufgefordert, zeitnah für Klarheit und Verlässlichkeit zu sorgen.
Biontech erklärte, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen. Es sei nun wichtig, miteinander ins Gespräch zu kommen und Gerüchte von gesicherten Fakten zu unterscheiden. Das Unternehmen suche vorrangig den Dialog mit der Arbeitnehmervertretung. Biontech toleriere weder Vergeltungsmaßnahmen gegen Hinweisgebende noch Diskriminierung, Sexismus, Rassismus oder Drohungen. Wesentliche Entwicklungen würden über die geeigneten Kanäle mitgeteilt. „Von einem Stillstand im operativen Geschäft kann jedoch keine Rede sein“, betonte das Unternehmen.
Der Konflikt fällt in ein bewegtes Jahr für das Unternehmen, das durch seinen Covid-19-Impfstoff in der Corona-Pandemie bekannt und finanziell erfolgreich wurde. 2026 schrieb Biontech vor allem wegen hoher Ausgaben für die Entwicklung neuer Produkte, etwa in der Onkologie, rote Zahlen. Das Unternehmen kündigte an, die Standorte Tübingen Ende 2027, Marburg Anfang 2028 und Idar-Oberstein Ende 2028 zu schließen.
Im dritten Quartal meldete Biontech wieder einen Gewinn von 184,5 Millionen Euro, nach einem Verlust von 28,7 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Für die ersten neun Monate dieses Jahres steht jedoch ein Verlust von 1,17 Milliarden Euro zu Buche, nach 831,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Auch personell steht ein Wechsel an. Die Mitbegründer Ugur Sahin und Özlem Türeci werden das Unternehmen bis spätestens Ende dieses Jahres verlassen und in einem neuen Unternehmen namens Arife tätig werden. Als Nachfolger für Sahin ist Guido Oelkers vorgesehen, der spätestens zum 1. Februar 2027 Vorstandsvorsitzender werden soll. Er kommt vom schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi). Wer auf Türeci als medizinische Vorständin folgt, ist noch offen.
Zu Arife hieß es zuvor, Rechte und mRNA-Technologien von Biontech sollten in das neue Unternehmen eingebracht werden. Dafür würde Biontech eine Minderheitsbeteiligung sowie Lizenzgebühren erhalten. Laut Biontech ist jedoch noch unklar, ob es eine bindende Vereinbarung geben wird. Die Gespräche dazu laufen, eine Vereinbarung sei für beide Seiten optional.
Quelle: stern.de
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