Das Kraftfahrt-Bundesamt feiert in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen – und es ist weit mehr als die Behörde, die Autofahrerinnen und Autofahrern mit Punkten in Flensburg in Erinnerung bleibt. Nach aktuellen Registerdaten waren zu Jahresbeginn 2026 mehr als zehn Millionen Fahrzeugführerinnen und Fahrzeugführer im Fahreignungsregister erfasst. Genau 10.166.608 Menschen hatten dort demnach Einträge wegen schwerer Verkehrsverstöße; das sind rund 46.000 mehr als im Jahr zuvor. Wer acht oder mehr Punkte erreicht, verliert den Führerschein.
Gegründet wurde das KBA am 4. August 1951 per Gesetz. Dass die zentrale Behörde für den motorisierten Straßenverkehr ausgerechnet in Flensburg sitzt, war eine politische Entscheidung. Die nördlichste Stadt Deutschlands sollte damals gestärkt werden, weil die Region nach dem Krieg strukturschwach war und viele Flüchtlinge aufgenommen hatte. Zunächst arbeitete die Behörde in mehreren Villen und ehemaligen Marinegebäuden; 1965 zog sie in das markante Hochhaus an der Förde. Weitere Standorte befinden sich in Harrislee und Dresden, im nordfriesischen Leck betreibt das KBA eine Teststrecke auf einem früheren Flugplatz.
Die Aufgaben der Einrichtung gehen weit über das Punkteregister hinaus. Das KBA veröffentlicht jeden Monat Statistiken über neu zugelassene Autos, Lastwagen, Busse und Motorräder. Es führt außerdem Register über Fahrzeuge, die längst nicht mehr gebaut werden. Und auch bei Rückrufen ist die Behörde im Hintergrund beteiligt: Die Post an betroffene Halter kommt zwar meist vom Hersteller, das KBA begleitet das Verfahren jedoch.
Wie sehr das Amt mit den Jahren gewachsen ist, zeigt die Entwicklung des Fahrzeugbestands. Im Jahr 1950 waren rund 540.000 Personenkraftwagen in Deutschland gemeldet, zehn Jahre später bereits etwa 4,5 Millionen. Heute sind es rund 49,5 Millionen Autos. Beschäftigt sind bei dem KBA etwa 1.100 Menschen, die meisten davon in Flensburg. Präsident Richard Damm beschreibt das Aufgabenspektrum so: «Das Aufgabenspektrum des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) reicht von Schweißarbeiten zur Vorbereitung von Emissionsmessungen über die Personalisierung von Fahrtenschreiberkarten bis hin zur Eigenentwicklung hochkomplexer IT-Programme, die unter anderem die Grundlage für die Verarbeitung der Registerdaten bilden.»
Ein zentraler Teil der Arbeit ist der Schutz der gespeicherten Daten. Das KBA betreibt nach eigenen Angaben zwei voneinander unabhängige Rechenzentren, in denen jeweils alle Daten vorgehalten werden. So soll im Fall eines Problems oder Ausfalls nichts verloren gehen. Zu sensiblen Bereichen der Gebäude haben nur wenige Beschäftigte Zugang. Die Registerdaten fließen unter anderem in Fahrzeugzulassungen, Verkehrskontrollen, die Förderung von Elektrofahrzeugen, die Bearbeitung von Verkehrsverstößen und in die i-Kfz-App mit dem digitalen Fahrzeugschein. Fast 300 Millionen Anfragen erhält das KBA pro Jahr, fast ausschließlich digital.
In den vergangenen Jahren hat sich die Behörde neu aufgestellt. Nach dem Dieselskandal um unzulässige Software zur Manipulation von Abgastests in Millionen von Autos gab es Vorwürfe, das KBA sei zu nah an der Industrie gewesen. Daraus zog die Behörde Konsequenzen: In Harrislee wurde eine Anlage für eigene Abgasmessungen an Fahrzeugen eingerichtet, im nordfriesischen Leck nahm sie auf einem alten Flugplatz eine Teststrecke in Betrieb. Seit 2017 gibt es zudem die Abteilung Marktüberwachung. «Wir haben eine größere Unabhängigkeit, wir können eigene Untersuchungen machen, wir können auf Augenhöhe mit den Herstellern diskutieren», hatte Damm bei früherer Gelegenheit gesagt.
Für die Zukunft setzt das KBA verstärkt auf Künstliche Intelligenz. «Wir setzen im KBA stark auf den Ausbau von KI und versuchen unsere Abläufe damit effizienter und besser zu gestalten», sagt der Präsident. Kernstück ist ein von außen abgegrenztes System auf der hauseigenen IT-Infrastruktur, bei dessen Verarbeitung keine Daten nach außen gelangen. Alle Beschäftigten sollen auf den Umgang mit der KI vorbereitet werden. Die Technologie solle den Menschen dienen und das KBA auf dem Weg in die Zukunft begleiten, betont Damm.
